Die Geschichte des Schachspiels

Schach dürfte nach Meinung der Experten in Indien entwickelt worden sein. Man kannte es zuerst als chaturanga, ein Wort aus dem Sanskrit, das für die vier Gattungen einer Armee steht: Elefanten, Pferde, Wagen und Fußsoldaten. Der oder die Erfinder des Schachs griffen für die Vorhaben, ein Kriegsspiel zu schaffen, auf etwas schon bestehendes zurück. Das Brett mit 8 x 8 Feldern ist viel älter als das Schach und wurde bereits in vergangenen Kulturen für verschiedenen Zwecke benutzt. In Indien spielte man auf diesem Brett mit 64 Feldern ein beliebtes Würfelspiel namens Ashtapada, und schon in dem Mahabharta wird von einer Wette um ein riesiges Vermögen zwischen zwei Fürsten erzählt, die durch das Spiel Ashtapada entschieden wurde.

Legenden und Symbole

Die Wahl des Bretts mit 64 Feldern könnte auch durch ein magisches oder symbolisches Zahlenverständis beeinflußt worden sein; die Hindu-Mystik, später auch die islamische, verband mit der Zahl 8 und ihren Vielfachen Vorstellungen von Ganzheit, Vollendung und Harmonie. Die Orakel des I-Ging bestanden aus genau 64 Teilen. Oder durch die magische Bedeutung der Zahl für die islamische Mystik, sie diente sogar als Grundlage für die Berechnung der entstehenden wissenschaftlichen Astronomie.
Die berühmte Legende mit den Weizenkörnern spiegelt diese dunkle mit dem Ursprung des Schachs verbundenen Zahlenzusammenhänge wieder. In der ältesten geschriebenen Fassung, der von al-Yaqubi aus dem Jahre 907, ist es z.B. Absicht des Erfinders, durch Schachmatt eine Königin metaphorisch vom Tode ihres Sohns zu unterrichten. Der Erfinder bittet als Belohnung um ein Weizenkorn auf dem ersten Feld des Bretts, zwei auf dem zweiten, vier auf dem dritten usw. Zum Erstaunen des Monarchen kann die "bescheidene" Bitte nicht erfüllt werden, denn die Endzahl, die schon die Hindus und Araber kannten, entspricht zwei hoch vierundsechzig minus eins oder 18.446.744.073.709.551.615 Weizenkörnern.
Diese Menge würde nach Berechnungen des englischen Mathematikers Lodge genügen, um ganz England bis zu einer Höhe von mehr als 30 Fuß oder 10 Metern zu bedecken.

Verbreitung des Schachspiels

Asien kann ohne Übertreibung der Kontinent des Schachs genannt werden; noch heute kann sich jeder Tourist in einem asiatischen Land - ebenso wie im Jahre 1509 der portugiesische Eroberer Diego López - angesichts der unübersehbaren Verwandtschaft der dort gebräuchlichen Schacharten mit unserem Schach nur wundern. Am ausgeprägtesten und fruchtbarsten entwickelte sich das Schachspiel über Persien und die islamische Welt nach Westeuropa.

Schach im europäischen Mittellalter

Das Schach kam schon sehr früh von den Arabern zu den Christen. Der Ort, wo dieser kulturelle Übergang stattfindet, ist nicht bekannt, aber es erforderte ein längeres, friedliches Zusammenleben der beiden Kulturen.
Diese Bedingungen waren an einigen Orten am Mittelmeer gegeben, vor allem aber auf der Iberischen Halbinsel erreichten diese Begegnungen eine besondere Intensität. Und hier erschienen auch die ältesten europäischen Dokumente, in denen Schach erwähnt wird: zwei Zeugnisse von pyrenäischen Grafen in der sogenannten Marca Hispanica vom Beginn des 11. Jahrhunderts, in denen berichtet wird, wie Schachspiele in einem Kontinent im Süden Frankreichs übergeben werden.
Das Schach drang aufgrund seines Ansehens in alle soziale Schichten ein; sein fleißiger Gebrauch in jüdischen Ghettos, seine fortschreitende Verbreitung unter den Bürgertum und wenigstens in einigen Gebieten, wie der Lombardei und Toskana, ist die Begeisterung für das Spiel festgehalten. Im Jahre 1266 gab ein großer arabischer Spieler namens Buzecca einige Blindsimultanvorstellungen in Florenz gegen die besten Spieler der Stadt, wobei das öffentliche Interesse bemerkenswert war.

Entstehung des modernen Schachspiels

Während des 15. Jahrhunderts erfährt das alte arabische und mittelalterliche Schach eine Modifikation in der Gangart zweier seiner Figuren. Der Läufer bewegt sich statt des begrenzten Sprungs aufs dritte Feld fortan frei auf allen Diagonalen. Und der arabische Farzin, der Berater des Königs, wandelt sich in die mächtigste Figur, die Dame, um. Diese vereinigt nun in sich die Beweglichkeit des Turms und des neuen Läufers. Die Folgen für Taktik und Strategie des Spiels sind gewaltig, das Schachspiel erobert von da an eine neue technische Dimension, was sein Überleben bis in unsere Tage bewirkt hat.
Es ist sehr wahrscheinlich so, daß diese belebende Verwandlung des Schachs auch auf der Iberischen Insel stattfand, weil das erste Werk über die neue Spielart das Buch des Spaniers Lucena, geschrieben um 1497, ist.