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Die Spielregeln des Weltschachverbandes
Spielregeln
Artikel 1: Wesen und Ziele des Schachspiels
Artikel 2: Die Anfangsstellung der Figuren auf dem Brett
Artikel 3: Die Gangart der Figuren
Artikel 4: Die Ausführung der Züge
Artikel 5: Die beendete Partie
Turnierregeln
Artikel 6: Die Schachuhr
Artikel 7: Regelwidrige Stellungen
Artikel 8: Die Aufzeichnung von Partien
Artikel 9: Das Remis (die unentschiedene Partie)
Artikel 10: Beendigung von Turnierpartien durch Schnellschach (Quickplay finish)
Artikel 11: Spieleergebnisse
Artikel 12: Das Verhalten der Spieler
Artikel 13: Die Aufgaben des Schiedsrichters
Artikel 14: Die FIDE
Artikel 1: Wesen und Ziele des Schachspiels
1.1 Das Schach wird zwischen zwei Gegnern gespielt, die abwechselnd Figuren auf einem quadratischen Spielbrett, "Schachbrett" genannt, ziehen. Der Spieler mit den weißen Steinen beginnt die Partie. Ein Spieler ist "am Zug", wenn der Zug seines Gegners abgeschlossen worden. ist.
1.2 Das Ziel eines jeden Spielers ist es, den gegnerischen König so «anzugreifen», daß der Gegner keinen regelgemäßen Zug zur Verfügung hat, der ein «Schlagen» des Königs im folgenden Zug vermeiden würde. Der Spieler, der dies erreicht, hat den Gegner «mattgesetzt» und das Spiel gewonnen. Der Gegner, der mattgesetzt worden ist, hat das Spiel verloren.
1.3 Ist eine Stellung erreicht, in der keinem der beiden Spieler das Mattsetzen mehr mögich ist, ist das Spiel «remis» (unentschieden).
Artikel 2: Die Anfangsstellung der Figuren auf dem Brett
2.1 Das Schachbrett besteht aus einem 8x8-Gitter von 64 gleichgroßen Quadraten, die abwechselnd hell und dunkel sind (die «weißen» und die «schwarzen» Felder). Das Schachbrett wird so zwischen die beiden Spieler gelegt, daß auf der Seite vor einem Spieler das rechte Eckfeld weiß ist.
2.2 Zu Beginn des Spieles hat der eine Spieler 16 helle ("weiße"), der andere 16 dunkle ("schwarze") Figuren. Diese Figuren sind die folgenden:
Ein weißer und ein schwarzer König
Eine weiße und eine schwarze Dame
Zwei weiße und zwei schwarze Türme
Zwei weiße und zwei schwarze Läufer
Zwei weiße und zwei schwarze Springer
Acht weiße und acht schwarze Bauern
2.3 Die Anfangsstellung der Figuren auf dem Schachbrett ist die folgende:

2.4 Die acht senkrechten Spalten von Feldern heißen "Linien", die acht waagerechten Zeilen von Feldern heißen "Reihen". Eine geradlinige Folge von Felder gleicher Farbe, die sich jeweils an den Ecken berühren, heißt "Diagonale".
Artikel 3: Die Gangart der Figuren
3.1 Keine Figur kann auf ein Feld ziehen, das bereits von einer Figur derselben Farbe besetzt ist. Wenn eine Figur auf ein Feld zieht, das von einer gegnerischen Figur besetzt ist, wird letztere geschlagen und als Teil desselben Zuges vom Schachbrett entfernt. Eine Figur greift ein Feld an, wenn diese Figur auf jenem Feld gemäß den Artikeln 3.2 bis 3.5 schlagen könnte.
3.2 a) Die Dame zieht auf ein beliebiges anderes Feld entlang der Linie, Reihe oder einer der Diagonalen, auf welcher sie steht.
b) Der Turm zieht auf ein beliebiges anderes Feld entlang der Linie oder der Reihe, auf welcher er steht.
c) Der Läufer zieht auf ein beliebiges anderes Feld entlang einer der Diagonalen, auf welcher er steht.
3.3 Der Springer zieht auf eines der Felder, die seinem Standfeld am nächsten, aber nicht auf derselben Linie, Reihe oder Diagonalen mit diesem liegen. Er zieht nicht direkt über dazwischenliegende Felder.
3.4 a) Der Bauer zieht vorwärts auf das unbesetzte Feld direkt vor ihm auf derselben Linie, oder
b) er rückt in seinem ersten Zug um zwei Felder entlang derselben Linie vor, sofern beide Felder unbesetzt sind, oder
c) er zieht auf ein von einer gegnerischen Figur besetztes Feld diagonal vor ihm auf einer benachbarten Linie, indem er jene Figur schlägt.
d) Ein Bauer, der ein Feld angreift, das von einem gegnerischen Bauern überschritten worden ist, der vom Ursprungsfeld aus in einem Zug um zwei Felder vorgerückt ist, darf diesen gegnerischen Bauern so schlagen, als ob letzterer nur um ein Feld vorgerückt wäre. Dieses Schlagen darf nur in dem Zug geschehen, der auf ein solches Vorrücken folgt, und wird «Schlagen en passant" genannt.
e) Sobald ein Bauer diejenige Reihe, die am weitesten von seinem Ursprungsfeld entfernt ist, erreicht hat, muß er als Teil desselben Zuges gegen eine Dame, einen Turm, einen Läufer oder einen Springer derselben Farbe ausgetauscht werden. Die Auswahl des Spielers ist nicht auf bereits geschlagene Figuren beschränkt. Dieser Austausch eines Bauern für eine andere Figur wird "Umwandlung" genannt; die Wirkung der neuen Figur tritt sofort ein.
3.5 a) Der König hat zwei verschiedene Gangarten:
I) Er zieht auf ein beliebiges angrenzendes Feld, das nicht von einer oder mehreren gegnerischen Figuren angegriffen wird, oder
II) er «rochiert». Die «Rochade» ist ein Zug des Königs und eines der gleichfarbigen Türme auf derselben Reihe. Sie gilt als ein einziger Zug und wird folgendermaßen ausgeführt: Der König wird von seinem Ursprungsfeld um zwei Felder in Richtung des Turmes hin versetzt; dann wird dieser Turm über den König hinweg auf das Feld, das der König soeben überquert hat, gesetzt.
1) Die Rochade ist regelwidrig,
(A) wenn der König bereits gezogen hat, oder
(B) mit einem Turm, der bereits gezogen hat.
2) Die Rochade ist vorübergehend verhindert:
(A) wenn das Standfeld des Königs oder das Feld, das er überqueren muß, oder sein Zielfeld von einer oder mehreren gegnerischen Figuren angegriffen wird,
(B) wenn sich zwischen dem König und dem Turm, mit dem rochiert werden soll, eine beliebige Figur befindet.
b) Ein König «steht im Schach», wenn er von einer oder mehreren gegnerischen Figuren angegriffen wird, auch wenn diese selbst nicht ziehen können. Das Ansagen eines Schachgebotes ist nicht obligatorisch. Ein Spieler darf keinen Zug machen, der seinen König ins Schach führt oder im Schach stehen läßt.
Artikel 4: Die Ausführung der Züge
4.1 Jeder Zug muß mit einer Hand allein ausgeführt werden.
4.2 Vorausgesetzt, daß er seine Absicht im voraus bekannt gibt (z.B. durch die Ankündigung "j'adoube"), darf der Spieler, der am Zug ist, eine oder mehrere Figuren auf ihren Feldern zurechtrücken.
4.3 Berührt der Spieler, der am Zug ist - außer im Fall des Artikel 4.2 - absichtlich auf dem Brett
a) eine oder mehrere Figuren derselben Farbe, muß er die zuerst berührte Figur, die gezogen oder geschlagen werden kann, ziehen oder schlagen; oder
b) je eine Figur beider Farben, muß er die gegnerische Figur mit seiner Figur schlagen oder, falls dies regelwidrig ist, die erste berührte Figur, die gezogen oder geschalgen werden kann, ziehen oder schlagen. Fehlen Beweismittel, so gilt, daß die eigene Figur vor der gegnerischen Figur berührt worden ist.
4.4 a) Wenn ein Spieler absichtlich einen Turm und danach seinen König berührt, darf er mit diesem Turm in diesem Zug nicht rochieren; Artikel 4.3 ist dann anzuwenden.
b) Wenn ein Spieler, in der Absicht zu rochieren, seinen König oder König und Turm zugleich berührt, die Rochade aber auf dieser Seite regelwidrig ist, muß der Spieler entweder auf der anderen Seite rochieren, vorausgesetzt, daß die Rochade auf jener Seite zulässig ist, oder seinen König ziehen. Falls der König keinen regelmäßen Zug zur Verfügung hat, darf der Spieler einen beliebigen regelmäßen Zug ausführen.
4.5 Falls keine der berührten Figuren gezogen oder geschlagen werden kann, darf der Spieler einen beliebigen regelgemäßgen Zug ausführen.
4.6 Wenn der Gegner gegen Artikel 4.3 oder 4.4 verstößt, kann der Spieler dies nicht mehr beanstanden, nachdem er selbst absichtlich eine Figur berührt hat.
4.7 Wenn in einem regelgemäßen Zug oder als Teil eines regelgemäßen Zuges eine Figur auf einem Feld losgelassen worden ist, kann sie nicht mehr auf ein anderes Feld gezogen werden. Der Zug gilt als auf dem Brett ausgeführt, wenn alle anwendbaren Anforderungen von Artikel 3 erfüllt worden sind.
Artikel 5: Die beendete Partie
5.1 a) Die Partie ist für den Spieler gewonnen, der den gegnerischen König mit einem regelgemäßen Zug matt gesetzt hat. Damit ist die Partie sofort beendet.
b) Die Partie ist durch den Spieler gewonnen, dessen Gegner erklärt, daß er aufgibt. Damit ist die Partie sofort beendet.
5.2 Die Partie ist unentschieden (remis), wenn der am Zug befindliche Spieler keinen regelgemäßen Zug zur Verfügung hat und sein König nicht im Schach steht. Man sagt dann, «der Spieler wurde patt gesetzt». Damit ist die Partie sofort beendet.
5.3 Die Partie ist remis durch eine von beiden Spielern während der Partie getroffene Übereinkunft. Damit ist die Partie sofort beendet.
5.4 Die Partie darf remis gegeben werden, falls die identische Stellung zum dritten Mal auf dem Brett entstanden ist (siehe Artikel 9.2).
5.5 Die Partie darf remis gegeben werden, falls die letzten 50 aufeinanderfolgenden Züge von jedem Spieler gemacht worden sind, ohne daß irgendein Bauer gezogen oder irgendeine Figur geschlagen worden ist (siehe Artikel 9.3).
Artikel 6: Die Schachuhr
6.1 Eine Schachuhr ist eine Uhr mit zwei Zeitanzeigen, die so miteinander verbunden sind, daß zu gleicher Zeit nur eine von ihnen laufen kann. «Uhr» bedeutet in den Schachregeln jeweils eine der beiden Zeitansagen. Das Fallen des «Fallblättchens» bedeutet, daß die einem Spieler zugewiesene Zeit aufgebraucht worden ist.
6.2 Wenn eine Schachuhr benutzt wird, muß jeder Spieler eine bestimmte Zahl von Zügen oder alle Züge in einer bestimmten Zeitperiode ausführen, und es darf ihm nach jedem Zug eine zusätzliche Bedenkzeit zugeteilt werden. All dies muß im voraus im einzelnen angegeben werden. Die Zeit, die ein Spieler in der einen Zeitperiode gespart hat, wird ihm, außer im Aufschub-Modus, für die nächste Periode zu seiner verfügbaren Zeit hinzugerechnet.
Im Aufschub-Modus erhalten beide Spieler eine festgelegte »Hauptbedenkzeit«. Sie erhalten weiterhin eine bestimmte Zusatzzeit für jeden Zug. Der Ablauf der Hauptbedenkzeit erfolgt erst, nachdem die Zusatzzeit ausgelaufen ist. Unterstellt, der Spieler hält seine Uhr an bevor die Zusatzzeit ausgelaufen ist, ändert sich nichts an der verbleibenden Hauptbedenkzeit, außer die Zusatzbedenkzeit ist ausgelaufen.
6.3 Jede Zeitanzeige hat ein «Fallblättchen». Unmittelbar nach dem Fallen eines Fallblättchens müssen die Erfordernisse von Artikel 6.2 überprüft werden.
6.4 Der Schiedsdrichter entscheidet, wo die Schachuhr zu stehen kommt.
6.5 Zu dem für den Partiebeginn festgesetzten Zeitpunkt wird die Uhr des Spielers mit den weißen Steine in Gang gesetzt.
6.6 Ein Spieler verliert die Partie, wenn er mehr als eine Stunde nach dem plangemäßen Beginn der Spielzeit am Brett eintrifft (es sei denn, das Turnierreglement sehe etwas anderes vor oder der Schiedssrichter entscheide anders).
6.7 a) Während der Partie hält jeder Spieler, nachdem er seinen Zug auf dem Brett ausgeführt hat, seine eigene Uhr an und setzt die seines Gegners in Gang. Einem Spieler muß es immer ermöglicht werden, seine Uhr anzuhalten. Sein Zug gilt als nicht vollständig abgeschlossen, solange er dies nicht getan hat, es sei denn, der ausgeführte Zug habe die Partie beendet (siehe Artikle 5.1, 5.2 und 5.3).
Die Zeit zwischen der Ausführung des Zuges auf dem Brett und dem Drücken der Uhr ist Teil der Bedenkzeit des betreffenden Spielers.
b) Ein Spieler muß seine Uhr mit derselben Hand anhalten, mit der er seinen Zug gemacht hat. Es ist verboten, die Finger auf oder über dem Knopf zu halten.
c) Die Spieler müssen die Schachuhr angemessen behandeln. Es ist verboten, auf sie draufzuhauen, sie hochzuheben oder umzuwerfen. Unangemessenes Umgehen mit der Uhr wird gemäß Artikel 13.4 bestraft.
6.8 Das Fallblättchen eines Spielers gilt als gefallen, wenn der Schiedsrichter dies festfestellt, oder einer der Spieler zu Recht darauf hingewiesen hat.
6.9 Außer in den Fällen, die durch die Artikel 5.1, 5.2 und 5.3 erfaßt sind, gilt, daß ein Spieler seine Partie verloren hat, wer er die vorgeschriebene Anzahl von Zügen in der zugewiesenen Zeit nicht vollständig ausgeführt hat. Die Partie ist jedoch remis, wenn eine Stellung erreicht worden ist, aus der heraus es dem Gegner nicht möglich ist, den Spieler durch irgendeine Folge von regelgemäßen Zügen (selbst bei ungeschicktestem Gegenspiel) matt zu setzen.
6.10 Jedes Anzeige auf den Uhren ist bindend, sofern kein offensichtlicher Mängel vorliegt. Eine Schachuhr mit einem offensichtlichen Mangel muß ersetzt werden. Der Schiedsrichter bestimmt nach bestem Ermessen, auf welche Zeiten die Ersatzuhr zu stellen ist.
6.11 Wenn beide Fallblättchen gefallen sind, aber nicht nachweisbar ist, welches zuerst, wird die Partie fortgesetzt.
6.12 a) Wenn die Partie unterbrochen werden muß, wird die Uhr vom Schiedsrichter angehalten.
b) Ein Spieler darf beide Uhren anhalten, um den Schiedsrichter zu Hilfe zu rufen.
c) Der Schiedsrichter entscheidet, wann die Uhr wieder in Gang gesetzt wird.
6.13 Wenn die Figuren infolge eines Regelverstoßes oder aus anderen Gründen in eine vorangegangene Stellung zurückversetzt werden müssen, bestimmt der Schiedsrichter nach bestem Ermessen, auf welche Zeiten die Uhren zu stellen sind.
6.14 Projektionsleinwände, Bildschirme oder Demonstrationsbretter, welche die aktuelle Stellung auf dem Brett, die Züge und die Anzahl der gespielten Züge zeigen, sowie Uhren, die noch die Zügezahl anzeigen, sind im Turniersaal erlaubt. Jedoch darf kein Spieler einen Antrag mit einer solchen Anzeige begründen.
Artikel 7: Regelwidrige Stellungen
7.1 a) Wenn während einer Partie festgestellt wird, daß die Anfangsstellung der Figuren falsch war, wird die Partie annulliert und eine neue gespielt.
b) Wenn während einer Partie festgestellt wird, daß der einzige Fehler darin besteht, daß das Brett nicht gemäß Artikel 1.2 ausgelegt worden war, wird die Partie fortgesettzt, aber die erreichte Stellung darf auf ein korrekt liegendes Brett übertragen werden.
7.2 Wenn eine Partie mit vertauschten Farben begonnen worden ist, wird sie fortgesetzt, es sei denn, der Schiedsrichter entscheidet anders.
7.3 Wenn ein Spieler eine oder mehrere Figuren verschiebt, muß er die korrekte Stellung auf Kosten seiner eigenen Zeit wieder aufbauen. Falls nötig, hat der Gegner das Recht, die Uhr des Spielers wieder in Gang zu setzen, ohne einen eigenen Zug gemacht zu haben, um damit sicherzustellen, daß der Spieler die korrekte Stellung auf Kosten seiner eigenen Zeit wieder aufbaut.
7.4 Wenn während der Partie festgestellt wird, daß ein regelwidriger Zug gemacht worden ist oder daß Figuren von ihren Feldern verschoben worden sind, wird die Stellung vor dem Regelverstoß wieder aufgebaut. Wenn die Stellung unmittelbar vor dem Regelverstoß nicht ermittelt werden kann, wird die Partie von der letzten bekannten Stellung vor dem Regelverstoß aus weitergespeit. Die Uhren werden gemäß Artikel 6.13 gestellt, und im Falle eines regelwidrigen Zuges wird Artikel 4.3 angewandt auf den Zug, der den regelwidrigen ersetzt. Daraufhin wird die Partie fortgesetzt.
Artikel 8: Die Aufzeichnung von Partien
8.1 Im Laufe der Partie ist jeder Spieler verpflichtet, seine eigenen Züge und die seines Gegners sofort Zug für Zug und so klar und lesbar wie möglich in algebraischer Notation (siehe Anhang E) auf dem für das Turnier vorgeschriebenen Partieformular aufzuzeichnen.
Ein Spieler darf, wenn er es wünscht, auf den Zug seines Gegners antworten, bevor er ihn aufzeichnet. Er muß seinen eigenen vorangegangenen Zug aufzeichnen, bevor er einen neuen macht. Ein Remisangebot muß von beiden Spielern auf dem Partieformular aufgezeichnet werden (siehe Anhang E.12 und Artikel 9.1).
Wenn körperliche oder religiöse Gründe einem Spieler nicht gestatten, die Partie aufzuzeichnen, wird ihm zu Beginn der Partie eine vom Schiedsrichter bestimmte Zeitspanne von seiner Bedenkzeit abgezogen.
8.2 Das Partieformular soll zu jeder Zeit vom Schiedsrichter gesehen werden können.
8.3 Die Partieformulare sind Eigentum des Turnierveranstalters.
8.4 Wenn ein Spieler weniger als 5 Minuten Restbedenkzeit hat, ist er nicht verpflichtet, die Anforderungen von Artikel 8.1 zu erfüllen. Dies gilt nicht, wenn er für jeden Zug mindestens 30 Sekunden zu seiner Bedenkzeit hinzugefügt bekommt. Nachdem eines der beiden Fallblättchen gefallen ist, muß der Spieler seine Aufzeichnungen sofort vollständig nachtragen.
8.5 a) Wenn gemäß Artikel 8.4 kein Spieler mehr mitschreiben muß, soll der Schiedsrichter oder ein Assistent anwesend sein und mitschreiben. In diesem Fall hält der Schiedsrichter, unmittelbar nachdem eines der Fallblättchen gefallen ist, die Uhren an. Daraufhin tragen beide Spieler ihre Aufzeichnungen unter Benutzung der Aufzeichnungen des Schiedsrichters oder des Gegners nach.
b) Wenn nur einer der Spieler gemäß Artikel 8.4 nicht verpflichtet ist mitzuschreiben, muß er seine Aufzeichnungen vollständig nachtragen, sobald sein Fallblättchen gefallen ist. Unter der Voraussetzung, daß der Spieler am Zug ist, darf er die Aufzeichnungen seines Gegners benutzen. Erst nachdem er sein Partieformular vervollständigt hat und das seines Gegners zurückgegeben hat, kann er die Partie fortsetzen.
c) Wenn keine vollständige Aufzeichnung vorliegt, müssen die Spieler die Partie auf einem zweiten Schachbrett unter Aufsicht des Schiedsrichters oder eines Assistenzen rekonstruieren. Als erstes, bevor die Rekonstruktion beginnt, zeichnet der Schiedsrichter die aktuelle Partiestellung auf.
8.6 Wenn die Partieformulare nicht auf den aktuellen Stand gebracht werden können und somit nicht zeigen können, ob ein Spieler die Bedenkzeit vor Ausfhrung der verlangten Zahl von Zügen überschritten hat, gilt der nächste Zug als der erste für die folgende Zeitperiode, es sei denn, es sind nachweisbar mehr Züge gespielt worden.
Artikel 9: Das Remis (die unentschiedene Partie)
9.1 Ein Spieler kann remis anbieten, nachdem er einen Zug auf dem Brett ausgeführt hat. Er muß dies tun, bevor er seine Uhr betätigt. Ein Remisangebot zu einer beliebigen anderen Zeit ist zwar gültig, verstößt aber gegen Artikel 12.5. An das Angebot können keine Bedingungen geknüpft werden. In beiden Fällen kann das Remisangebot nicht zurückgezogen werde und bleibt gültig, bis der Gegner angenommen hat, mündlich abgelehnt hat, durch Ausführung eines Zuges abgelehnt hat, oder die Partie auf andere Weise beendet worden ist. Das Remisangebot muß von jedem Spieler mit dem Symbol «(=)» auf dem Partieformular notiert werden.
9.2 Die Partie ist remis auf Verlangen des Spielers, der zu dem Zeitpunkt am Zug ist, in dem dieselbe Stellung zum dritten (nicht notwendigerweise aufeinanderfolgenden) Mal
a) soeben entstanden ist. oder
b) unmittelbar entstehen wird, falls er als erstes seinen Zug auf sein Partieformular schreibt und dem Schiedsrichter seine Absicht erklärt, diesen Zug ausführen zu wollen.
Stellungen unter a) und b) gelten als dieselben,wenn derselbe Spieler am Zuge ist, Figuren derselben Art und Farbe dieselben Felder besetzen und die Zugmöglichkeiten aller Figuren beider Spieler dieselben sind. Die Stellungen sind nicht dieselben, wenn sich das Recht, en passant zu schlagen, oder das Recht, zu rochieren vorübergehend oder endgültig geändert hat.
9.3 Die Partie ist remis auf Verlangen des Spieler, der am Zuge ist,
a) falls die letzten 50 aufeinanderfolgenden Züge eines jeden Spielers geschehen sind, ohne daß ein Bauer gezogen oder eine Figur geschlagen worden ist, oder
b) falls der Spieler einen Zug auf sein Partieformular schreibt und seine Absicht erklärt, diesen Zug ausführen zu wollen, mit dem Ergebnis, daß dann die letzten 50 aufeinanderfolgenden Züge eines jeden Spielers gemacht worden sind, ohne daß ein Bauer gezogen oder eine Figur geschlagen worden ist.
9.4 Wenn ein Spieler einen Zug beendet hat, ohne gemäß Artikel 9.2 oder 9.3 remis beansprucht zu haben, verliert er für diesen Zug das Recht dazu.
9.5 Wenn ein Spieler Remis gemäß Artikel 9.2 oder 9.3 remis beansprucht, muß er sofort beide Uhren anhalten. Er ist nicht berechtigt, seinen Antrag zurückzuziehen.
a) Erweist sich der Anspruch als berechtigt, ist die Partie sofort remis.
b) Erweist sich der Anspruch als nicht berechtigt, zieht der Schiedsrichter dem Antragsteller die Hälfte der ihm verbleibenden Bedenkzeit, aber nicht mehr als drei Minuten, ab und fügt drei Minuten zur Bedenkzeit des Gegners hinzu. Dann wird die Partie fortgesetzt und der angekündigte Zug muß ausgeführt werden.
9.6 Die Partie ist remis, sobald eine Stellung entstanden ist, aus welcher Matt durch keine erdenkliche Folge von regelgemäßen Zügen, selbst bei ungeschicklichem Spiel, erreichbar ist. Damit ist die Partie sofort beendet.
Artikel 10: Beendigung von Turnierpartien durch Schnellschach (Quickplay finish)
10.1 Die «Schnellschachphase» ist die letzte Phase einer Partie, in welcher alle verbleibenden Züge in einer begrenzten Zeit gemacht werden müssen.
10.2 Wenn der Spieler weniger als zwei Minuten Restbedenkzeit hat, darf er, bevor sein Fallblättchen gefallen ist, remis beantragen. Er hält die Uhren an und ruft den Schiedsrichter herbei.
a) Falls der Schiedsrichter zur Überzeugung kommt, der Gegner unternehme keine Anstrengungen, die Partie mit normalen Mitteln zu gewinnen, oder die Partie sei mit normalen Mitteln nicht zu gewinnen, erklärt er die Partie für remis. Andernfalls schiebt er seine Entscheidung hinaus.
b) Falls der Schiedsrichter seine Entscheidung hinausschiebt, darf der Gegner mit zwei zusätzlichen Minuten Bedenkzeit entschädigt werden, und die Partie wird im Beisein des Schiedsrichters fortgesetzt.
c) Fall der Schiedsrichter seine Entscheidung hinausgeschoben hat, darf er die Partie auch später noch für remis erklären, selbst nachdem ein Fallblättchen gefallen ist.
10.3 Regelwidrige Züge führen nicht notwendigerweise zum Verlust. Nach Anwendung von Artikel 7.4 bestraft der Schiedsrichter
- einen ersten regelwidrigen Zug eines Spielers, indem er seinem Gegner zwei zusätzliche Minuten gibt,
- einen zweiten regelwidrigen Zug desselben Spielers, indem er seinem Gegner abermals zwei zusätzliche Minuten gibt, und
- einen dritten regelwidrigen Zug desselben Spielers, indem er die Partie für ihn als verloren erklärt.
10.4 Wenn beide Fallblättchen gefallen sind und es nicht nachweisbar ist, welches das erste war, ist die Partie remis.
Artikel 11: Spielergebnisse
11.1 Der Sieger einer Partie erzielt einen Punkt (1), der Verlierer keinen Punkt (0), und bei einem Remis erhalten beide Spieler einen halben Punkt (½).
Artikel 12: Das Verhalten der Spieler
12.1 Von den Spielern werden beste Umgangsformen erwartet.
12.2 Während Spielverlaufs ist es den Spielern verboten, sich irgendwelche Notizen, Informationsquellen oder Ratschläge zunutze zu machen oder auf einem anderen Schachbrett zu analysieren.
Das Partieformular dient ausschließlich zur Aufzeichnung der Züge, der Zeitangaben auf den Uhren, der Remisangebote und der mit einem Antrag in Zusammenhang stehenden Dinge.
12.3 Während des Spielverlaufs ist im Spielbereich keinerlei Analysieren gestattet, weder durch Spieler noch durch Zuschauer. Spieler, die ihre Partie beendet haben, gelten als Zuschauer.
12.4 Es ist den Spielern nicht gestattet, das Turnierareal ohne Erlaubnis des Schiedsrichters zu verlassen. Das Turnierareal ist begrenzt auf Spielbereich, die Toiletten, Verpflegungsbereiche und Nebenräume für Raucher, sowie auf weitere vom Schiedsrichter bezeichnete Bereiche. Dem Spieler, der am Zug ist, ist es nicht gestattet, den Spielbereich ohne Erlaubnis des Schiedsrichters zu verlassen.
12.5 Es ist verboten, den Gegner auf irgendwelche Art abzulenken oder zu belästigen; dazu gehört auch das dauernde Anbieten von remis.
12.6 Ein Verstoß gegen irgendeinen Teil der Artikel 12.2 bis 12.5 wird gemäß Artikel 13.4 bestraft.
12.7 Die Partie ist verloren für einen Spieler, der sich beharrlich weigert, die Schachregeln zu befolgen. Der Schiedsrichter entscheidet über das Ergebnis des Gegners.
12.8 Wenn sich beide Spieler gemäß Art. 12.7 schuldig machen, wird für beide das Spiel für verloren erklärt.
Artikel 13: Die Aufgaben des Schiedsrichters
13.1 Der Schiedsrichter achtet auf striktes Einhalten der Schachregeln.
13.2 Der Schiedsrichter handelt im besten Interesse des Wettkampfes. Er soll dafür sorgen, daß durchgehend gute Spielbedingungen herrschen und daß die Spieler nicht gestört werden. Er beaufsichtigt den Ablauf des Wettkampfes.
13.3 Der Schiedsrichter beobachtet die Partien, besonders in der Zeitnotphase, setzt die von ihm getroffenen Entscheidungen durch und verhängt zum angebrachten Zeitpunkt Strafen über Spieler.
13.4 Dem Schiedsrichter stehen u.a. folgende Bestrafungsmöglichkeiten zur Verfügung:
a) eine Verwarnung,
b) das Verlängern der Restbedenkzeit des Gegners,
c) das Verkürzen der Restbedenkzeit des zu bestrafenden Spielers,
d) der Verlust der Partie,
e) der Ausschluß vom Turnier.
13.5 Bei Störungen aus der Umgebung darf der Schiedsrichter einem der Spieler oder auch beiden zusätzliche Bedenkzeit gewähren.
13.6 Der Schiedsrichter darf nicht dadurch in eine Partie eingreifen, daß er die Zahl der gespielten Züge bekannt gibt, außer in Anwendung von Artikel 8.5. Der Schiedsrichter unterläßt es, einem Spieler mitzuteilen, daß sein Gegner gezogen hat oder daß er vergessen hat, seine Uhr zu drücken.
13.7 Zuschauer und Spieler anderer Partien dürfen nicht über eine Partie reden oder sich auf andere Weise einmischen. Falls nötig, darf der Schiedrichter die Störer aus dem Turnierareal weisen.
Artikel 14: Die FIDE
14.1 Angeschlossenen Föderationen können die FIDE um offizielle Entscheidungen über Fragen zu den Schachregeln ersuchen.
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