Die Chartanalyse

Unter Charttechnik versteht man die Analyse eines Kursverlaufs anhand geeigneter Mittel, um aus der Vergangenheit (und dem Vergleich mit bereits abgeschlossenen Kursverläufen) auf die Zukunft des betrachteten Kurses schließen zu können.

In erster Linie versucht man mit der Charttechnik Trends zu identifizieren, da die Vergangenheit zeigt, daß sich an der Börse jeder Wert in Trends bewegt. Da es allgemein recht ungünstig ist, gegen den Trend zu handeln, ist es wichtig, möglichst frühzeitig eine Trendumkehr zu erkennen.

Für die technische Analyse stehen vielfältige Werkzeuge zur Verfügung. Das fängt bei einfachen Trendlinien an, führt weiter über Chartformationen und führt schließlich zu Indikatoren, die mehr oder weniger erfolgreich versuchen, die Zukunft durch mathematische Ansätze zu ergründen.


Chartformen

Im Laufe der Jahre haben sich verschiedene Kursdarstellungen (Charts) entwickelt. Man verwendet für jeden Zweck natürlich die am besten passende Darstellung der Kurse im Chart. Die wichtigsten werden im Folgenden kurz erläutert.

Liniencharts

Die bekannteste Chart-Darstellung ist sicher der Linienchart. Für jeden gewünschten Zeitraum werden die Kurse (meist Kassa oder Schlußkurs) mit einer Linie verbunden. Man erhält eine leicht verständliche und übersichtliche Darstellung des Kursverlaufs. Diese Darstellung eignet sich besonders zum Einzeichnen von Trendlinien und -kanälen.

Balkencharts

Mit Recht sehr häufig anzutreffen ist der Balken-Chart. Der große Vorteil dieses Charts liegt in der Tatsache, daß der Eröffnungs-, Höchst-, Tiefst- und Schlußkurs auf einen Blick zu erkennen ist. So enthält man auf einen Blick erheblich mehr Informationen als beim Linienchart. Der Eröffnungskurs der Periode (Tag, Monat, Jahr, Stunde, Minute) wird durch eine Markierung links des Balken dargestellt, der Schlußkurs durch die Markierung rechts. Auch diese Einstellung eignet sich hervorragend zur Darstellung von Trendkanälen.

Candlestick-Charts

Mein persönlicher Favourit ist der Candlestick-Chart. Bei dieser aus Japan stammenden Darstellung, hat man die gleichen Informationen wie im Balken-Chart, man erkennt jedoch sofort an der Farbe der Kerze, wie die Richtung des Kurses innerhalb der Periode war. Traditionell zeigt eine weiße Kerze, daß der Kurs stieg und eine schwarze Kerze, daß der Kurs fiel.


Charttechnische Hilfsmittel

Trendlinien und -kanäle

Verbindet man Hochpunkte bzw. Tiefpunkte eines Charts mit einer geraden Linie, so spricht man von Trendlinien. Diese können helfen, zu erkennen, wohin sich ein Kurs bewegt bzw. wo potentielle Wendepunkte eines Kursverlaufes liegen. Trendkanäle sind perfektionierte Trendlinien. Wenn es möglich ist, anstelle der Trendlinien sogar einen Trendkanal einzuzeichnen, erhält man die zu erwartende Bandbreite der Kurse. Dies kann hervorragende Ein- und Ausstiegskurse markieren. Die beiden Trendlinien, die den Trendkanal bilden, sind immer parallel zueinander.

Trendbestätigungsformationen

Zwei wichtige Trendbestätigungsformationen sind Flagge und Dreieck. Erstere entsteht wie folgt: Direkt nach dem starken Kursgewinn werden viele Anleger Gewinne realisieren bzw. nach einem Kursverlust zu vermeintlich günstigen Kursen einsteigen. Dadurch wird die Bewegung in Richtung des Haupttrends unterbrochen. Die Kurse werden anschließend einige Tage oder Wochen einen gegen den Haupttrend gerichteten Kanal bilden, der unterschiedliche Neigungswinkel ausbilden kann. Nach einer gewissen Zeit der Unsicherheit wird man sich wieder über den darüberliegenden Haupttrend bewußt, die Kurse brechen fulminant in dessen Richtung aus, der Haupttrend wird bestätigt.
Ebenfalls sehr häufig treten im Chart Dreiecke auf. Diese Dreiecke sind meist, aber nicht immer, Trendbestätigungen. Sie entstehen häufig an Widerstandslinien, die die Kursbewegung in Richtung des Trends abbremsen. Auch bei Dreiecken kann man eigentlich erst zum Zeitpunkt des Ausbruchs sicher sein, ob der Trend bestätigt oder gebrochen wird.

Trendumkehrformationen

Auf der anderen Seite gibt es auch Formationen, die auf eine bevorstehende Trendumkehr hindeuten. Die vielleicht bekannteste (und damit auch sicherste) aller Formationen ist sicher die Schulter-Kopf-Schulter-Formation. Diese tritt in ihrer reinsten Form sehr selten auf, ist dann aber fast hundertprozentig sicher in ihrer Aussage.
Die SKS-Formation besteht aus einem ersten Top (linke Schulter), einem zweiten, höheren Top (Kopf) und einem dritten Top, welches etwa die Höhe des ersten Tops haben sollte, also unter der Höhe des Kopfes bleibt. Zwischen den Tops fällt der Kurs immer auf die sogenannte Nackenlinie zurück. Der Umsatz sollte in den beiden Schultern niedriger sein als im Kopf. Nach der rechten Schulter fällt der Kurs unter die Nackenlinie, erfährt in ca. 50% aller Fälle einen Pull-Back, bevor dann ein scharfer Kurseinbruch erfolgt. Das Kursziel errechnet sich aus Nackenlinie - (Höchstkurs im Kopf - Nackenlinie). Der Durchbruch durch die Nackenlinie ist oft die letzte Chance zum Ausstieg.
Das Doppelhoch bzw. -tief ist ebenfalls eine sehr sichere Formation. Ein neuer Höchststand (Tiefststand) wird zweimal erfolglos gestestet. Dazwischen verharrt der Wert für mind. 1 Monat mindestetens 10% unter der oberen (unteren) Widerstandslinie. Nach dem zweiten Anlauf fällt der Kurs unter die Nackenline, es kann daraufhin einen Pullback geben, bevor der Kurs endgültig zusammenbricht.


Technische Indikatoren

Es gibt eine Vielzahl technischer Indikatoren. Zwei, die ich gern nutze, sollen stellvertretend an dieser Stelle betrachtet werden.

Das Momentum

Dieser Indikator versucht, die relative Veränderung der Kurse über einen eingestellten Zeitraum darzustellen, wobei der Indikator um die 100%-Marke herum oszilliert. Bewegt sich das Momentum überhalb der 100%-Linie, gab es im eingestellten Zeitraum eine Kurssteigerung, im Bereich unter der 100%-Linie Kursverluste. Je weiter der Kurs sich von der 100%-Linie entfernt, desto stärker ist der Kursgewinn/Kursverlust und damit im allgemeinen auch die zu erwartende Kursbewegung für die allernächste Zukunft.

Der Stochastik-Indikator

Der Stochastik-Indikator versucht die empirische Beobachtung zu nutzen, daß in Aufwärtsbewegungen die Schlußkurse nahe bei den Tageshöchstkursen liegen, während in Abwärtsbewegungen die Schlußkurse nahe den Tagestiefstkursen liegen. Als klassischer Oszillator wird er hauptsächlich in Seitwärtsbewegungen eingesetzt, um Umkehrpunkte herauszufinden. In Zeiten mit stabilen Trends liefert der Stochastik-Indikator keine besonders überzeugenden Ergebnisse. Ein Kaufsignal wird erzeugt, wenn der Stochastik-Indikator aus dem unteren Grenzbereich heraus über 20 steigt. Ein Verkaufsignal wird erzeugt, wenn der Stochastik-Indikator aus dem oberen Grenzbereich heraus unter 80 fällt. Überkreuzungen zwischen der schnellen und der langsamen Linie können ebenfalls verwendet werden. Divergenzen zwischen Indikator und untersuchtem Wert deuten auf Trendwechsel hin.

Weitere Ansätze

Elliott-Wave

Die Elliott-Wellen-Theorie geht bei einem Kursverlauf im allgemeinen von einer fünfteiligen Aufwärtswelle (grün: 1 bis 5) und einer dreiteiligen Abwärtswelle (rot: a - c) aus. Die Zählung und Markierung der Wellen erfolgt jeweils am Ende der Bewegung. Wichtig bei dieser Betrachtung ist weiterhin, daß es sich bei diesen Wellenbewegungen um Fraktale handelt, d.h. auch die Welle 1 besteht wieder aus den (nicht eingezeichneten) Unterwellen 1'-5' und a'-c', während die gesamte Formation 1-5 und a-c zum Beispiel eine übergeordnete Welle B darstellen könnte.

Fibonacci-Retracements

Kommt es nach einer Bewegung eines Wertpapiers/Index zu einer Gegenbewegung, kann man sehr oft feststellen, daß es bei dieser Gegenbewegung Widerstandslinien gibt, an denen das Basisobjekt auffällig oft "Pausen" einlegt. Unter Berücksichtigung der Fibonacci-Verhältnisse 38,2%, 50,0% und 61,8% kommt man sehr häufig diesen Widerstandslinien (Retracement-Lines) sehr nahe.