01.11.03
Auf das letzte Wochenende hatte ich mich schon länger gefreut, denn es war das Halloween Weekend. Doch was war das? Das erste Mal in den gesamten 3 Monaten regnete es. Und das Schlimmste war, es handelte sich nicht nur um einen leichten Schauer. Nein. Es schüttete seit morgens wie aus Gießkannen. Zunächst freute ich mich darüber, denn es weckte in mir die Erinnerung an das heimatliche, inzwischen sehr kalte und regnerische Deutschland. Doch als es am Nachmittag noch immer regnete, befürchtete ich bereits, dass Halloween wohl ins Wasser fallen würde.
Doch glücklicherweise hörte es pünktlich um 6 Uhr auf. Es dämmerte. Ich fuhr los, vorerst ohne bestimmtes Ziel. Es war lustig, die Leute zu beobachten, die sich verkleidet hatten. Jung und alt zogen kostümiert durch die Straßen. Kids immer mit einem Gefäß für die Süßigkeiten, die sie erbeuteten. In den Vorgärten leuchteten die Kürbisköpfe. Spinnweben überzogen viele Fassaden.
Nach einiger Zeit machte ich mich auf den Weg zum Winchester Mysterie House. Hier fanden heute die allseits beliebten Flashtours statt. Da ich bereits vor Wochen mein Ticket gebucht hatte, gehörte ich zu den Glücklichen, die an diesem nur einmal im Jahr stattfindenden Event teilnehmen durften.
Das Winchester Mysterie House ist ein sehr altes Haus, das einst von einer recht schrägen alten Witwe gebaut wurde. Es hat weit mehr als 100 Räume, die etliche Kuriositäten aufzuweisen hatten. Es gab Geheimtüren, Türen ins Nirgendwo, Fenster im Fußboden, kleine enge Treppen – kurz ein Haus voller Mysterien. Zusammen mit einer geführten Gruppe machten wie uns mit Taschenlampen bewaffnet auf, das Haus zu erforschen. Das Ganze war sehr interessant und passte herrlich zu Halloween. Ich wünschte, in Deutschland würde ebenso Halloween zelebriert werden.
Am nächsten Tag, Samstag, erlebte ich dann den sportlichen Höhepunkt meiner Zeit in den USA. Ich ging zum Football. Es spielten die San Jose Spartans gegen die Hawaii Warriors. Ich hatte mir ja schon vorher ausgemalt, wie so ein Footballspiel ablaufen würde. Doch was ich hier erlebte, hätte ich mir nicht träumen lassen. Bereits 3 Stunden vor dem Spiel waren einige Hundert Menschen rund um das Stadium unterwegs. Musik spielte, Händler verkauften allerlei Souvenirs. So verging die Zeit bis zum Spiel schnell. 15 Minuten vor dem Kick off war das Stadium bereits gut gefüllt. Die Sonne schien und zu meinem Erstaunen marschierte plötzlich eine fast 200 Mann starke Kapelle mit militärischem Drill und unter tosendem Applause ins Stadium. Spielend, tanzend und zelebrierend heizten sie den Zuschauern ein. Nun kündigte der Stadionsprecher die Nationalhymne an. Alle standen auf und lauschten andächtig der life gesungenen Hymne, als plötzlich und exakt an der richtigen Stelle eine Kanone einen Salutschuss abgab. Tosender Applaus quittierte diese Einlage, als bereits das nächste Highlight im wahrsten Sinne des Wortes vorbei schoss. Denn genau zum Ende der Hymne donnerten 2 Militärjets im absoluten Tiefflug mit ohrenbetäubendem Lärm direkt über das Stadium. Mir ist ganz schön die Kinnlade runter gefallen. Wahnsinn. Mein Glück an diesem Tag war, dass das Spiel vom Militär gesponsert wurde, was sich auch deutlich bemerkbar machte.
Dann begann das Spiel. Die Spartans starteten gut und führten schnell mit 10 zu 0. Doch im zweiten Quarter wurden die Warriors besser und holten auf. Zur Halbzeit stand es 10 zu 6. Ich genoss die Atmosphäre. Mein Ticket hatte ich bereits vor Wochen gekauft und so hatte ich einen tollen Platz. Reihe 1 genau an der Mitte des Spielfeldes. Direkt und nur wenige cm von mir tanzten von Zeit zu Zeit die Cherleaders, direkt unter mir standen die Spieler und Trainer des Spartan Teams.
In der Halbzeit spielte erneut die Militärkapelle während sie sich in Formationen bewegten und Fahnen durch die Luft flogen. Heute spielten sie anlässlich des Jubiläums der Superman Filme. War schon fetzig, wie sie Melodien aus den Filmen aufnahmen. Anschließend fand das Gelöbnis einiger Rekruten der Armee statt sowie die Ehrung und Beförderung einiger Offiziere statt.
Abgeschlossen wurde das Ganze von 21 Salutschüssen, die aus drei Kanonen direkt auf dem Spielfeld abgefeuert wurden.
Das dritte Quarter gewannen ebenfalls die Warriors die Oberhand. Uns so führten sie schon bald 14 zu 10.
Dann kam das letzte und spannendste Quarter. Beide Teams waren gut. Doch 3 Minuten vor Schluss führten noch immer die Warriors während die Spartans gerade nahe ihrer eigenen Touchdown Zone den Angriff bekamen. Und nun tobte das Stadium. Yard um Yard kämpften sich die Spartans nach vorn. Doch genauso unerbittlich verrann die Zeit. Doch das Unmögliche wurde möglich. 5 Sekunden vor dem Ende, hatten die Spartans nur noch einen einzigen Yard zu überwinden, um mit einem Touchdown das Spiel zu gewinnen. Die Zuschauer standen auf den Bänken. Alle feuerten das Team an. Die Kapelle blies zum Angriff. Die Spannung war unbeschreibbar. Sie versuchten das unmöglich Geglaubte. Tumult. Jubel. Ein Pfiff. Buhrufe. Das Spiel war aus und die Spartans verfehlten die Zone um Zentimeter. Sie hatten verloren. Das gegnerische Team brach in Jubel aus. Helme flogen durch die Luft. Und die Spartan Spieler blieben wie versteinert auf dem Feld liegen. Schade.
Ich hätte mich gefreut, wenn sie das Spiel noch gedreht hätten. Trotzdem war es für mich ein unglaublich schöner und aufregender Nachmittag. Kann einer sagen, was er will, aber die Amerikaner wissen, wie man ein Ereignis zelebriert.
Für mich war es der letzte Höhepunkt meiner Zeit hier. Nun freue ich mich auf meine Heimreise und auf all die Dinge, die ich inzwischen doch so sehr hier vermisse. Meine Susi natürlich allem voran.
Die Zeit in Kalifornien war unglaublich schön und aufregend. Ich bin dankbar, dass ich diese Chance hatte. Ich werde die Zeit hier niemals vergessen.
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